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Von Barrieren im Verkehrsalltag, gesellschaftlicher Teilhabe und Kontrabässen

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Henrik von Holtum & Jan Paul Herzer

Von Barrieren im Verkehrsalltag, gesellschaftlicher Teilhabe und Kontrabässen

Emmett in Transit #7 – Der Podcast über datengetriebene Mobilität

Über Folge #7

Ob mit dem Kontrabass oder im Rollstuhl, als blinde Person oder mit Kinderwagen – im öffentlichen Verkehr stoßen Menschen häufig auf Barrieren, die ihnen eine einfache und freie Nutzung erschweren. Häufig fehlt es dafür an Diensten, die individuelle Unterstützung leisten, Barrieren im öffentlichen Verkehr abbauen und zugleich die Ansprüche an barrierefreie Mobilität in den unterschiedlichsten Situationen berücksichtigen.

So können beispielsweise spezielle Audiosysteme erkennen und ansagen, welche Bahn gerade in den Bahnhof eingefahren ist; Navigationssysteme können anzeigen, welche Aufzüge in Bahnhöfen funktionieren – und welche gerade außer Betrieb sind. Dass hierfür Daten und deren Zugänglichkeit eine entscheidende Rolle spielen, darüber sprechen die Psychologin Flora Kawohl und der Informatiker Ilja Radusch.

  • Flora Kawohl arbeitet im mFUND-Projekt OD2Guide Scale Up mit Partner*innen aus der Wissenschaft und Informationstechnik an einer Hardware- und Software-Lösung für Audiohinweise, die blinde und seheingeschränkte Personen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) unterstützt.
  • Ilja Radusch erforscht am Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme, wie vernetzte und automatisierte Mobilität gesellschaftliche Teilhabe fördern kann.

Barrierefreiheit als technischer Prozess für eine inklusivere Gesellschaft

Ein Bus trifft an einer Haltestelle ein. Eine Smartphone-App erkennt ihn und informiert in einer Push-Benachrichtigung über Liniennummer und Fahrtziel: Genau so eine Anwendung wünschen sich Flora Kawohl und Ilja Radusch für die Zukunft aller öffentlichen Verkehrsangebote. Barrierefreiheit definieren sie als einen technischen Prozess, der auf eine inklusive Gesellschaft hinwirkt. Im Gespräch für unseren Podcast erläutern sie, dass die Begriffe Barrierefreiheit und Inklusion häufig synonym verwendet werden. Doch Inklusion, so betonen sie, bezieht sich – umfassender als Barrierefreiheit – auf die gleichwertige und gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.


„Es gibt keine Inklusion, wenn man nicht die Barrierefreiheit von ganz verschiedenen Personengruppen in den Blick nimmt.“ – Flora Kawohl

Es geht darum, den Menschen die Orientierung zu erleichtern

Digitale Systeme müssen immer wieder verbessert werden. Für die notwendigen Anpassungen an neue Gegebenheiten sind in der Regel Daten notwendig. Dazu gehören beispielsweise solche Daten, die Aufschluss darüber geben, welche Inhalte seheingeschränkte Personen beim Reisen mit dem öffentlichen Verkehr benötigen. Offene Datenmarktplätze – wie die mCLOUD – stellen diese Daten zwar zur Verfügung, etwa über Barrieren im öffentlichen Verkehr.

„Das Problem ist nicht, dass es keine Daten über Barrieren gibt, sondern, dass keiner weiß, dass es sie gibt.“ – Ilja Radusch

Obwohl diese Daten verfügbar sind, steht noch kein zuverlässiges System zur Verfügung, so Kawohl und Radusch. Aber darum geht es auch nicht, so Flora Kawohl, denn digitale Lösungen sollen analoge Vorgänge nicht vorständig ersetzen. Vielmehr sollen sie als Hilfestellung alltägliche Abläufe ergänzen.

„Wir haben schon häufig die Rückmeldung bekommen, dass blinde Personen sich nicht hundertprozentig auf die Technik verlassen. Das Vertrauen ist nicht da. Weil immer irgendwelche Hindernisse im Weg sein können, die nie eingeplant waren. Selbst mit der optimalen Technologie und den besten Algorithmen und in 100 Jahren – wir können nicht davon ausgehen, dass wir so präzise orten und navigieren können, wie das notwendig wäre, um sich komplett darauf zu verlassen.“ - Flora Kawohl

Der Emmett in Transit-Podcast

Brauche ich künftig nur eine App, um Mietwagen, Zug und Fahrrad zu nutzen? Wann und wie wird KI autonome Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen lenken? Warum fliegen Drohnen neuerdings Teile des 38.500 Kilometer langen deutschen Schienennetzes ab? Diese Fragen diskutiert das iRights.Lab auf Emmett. Wir fragen Forscher*innen, Unternehmer*innen und Tüftler*innen über datengetriebene Mobilität und ihre Auswirkungen auf den Menschen aus.

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Sprecher*innen

Avatar Emmett Kachel

Flora Kawohl arbeitet im Bereich Business Development/Customer Success Management bei der contagt GmbH und ist Spezialistin für Nutzer*innenerfahrungen. Sie hat Erfahrungen im Forschungsfeld Diversität und Inklusion. Das gemeinsame mFUND-Projekt mit der Informationstechnik meng sowie dem Institut für Angewandte Forschung der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg erprobt eine Hardware- und Software-Lösung für Audiohinweise für blinde und seheingeschränkte Personen im ÖPNV.

Flora Kawohl, contagt GmbH, mFUND-Projekt OD2Guide Scale Up

Ilja Radusch Philipp Plum Screen 03

Dr. Ilja Radusch ist Leiter des Geschäftsbereichs Smart Mobility am Fraunhofer-Institut FOKUS und leitet das Daimler Center for Automotive IT Innovations (DCAITI) an der TU Berlin. Er besitzt langjährige Erfahrung in den Bereichen vernetzte und automatisierte Mobilität, KI-basierte Wahrnehmung sowie Simulation von ortsbasierten Anwendungen. Mit seinem Team entwickelt und evaluiert er prototypische Mobilitätsdienste, die einen sicheren, effizienten und nachhaltigen Verkehr fördern.

Dr. Ilja Radusch, Smart Mobility am Fraunhofer-Institut FOKUS

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