Anschaulich und faszinierend: Drei bemerkenswerte Datenvisualisierungen zu Mobilität

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Lena Rickenberg

Anschaulich und faszinierend: Drei bemerkenswerte Datenvisualisierungen zu Mobilität

Was die Wissenschaft über Virenübertragung in geschlossenen Räumen und auf Reisen weiß, auf welchen Routen sich der weltweite Schiffsverkehr bündelt, und wie heutzutage (alle) Flugwege nach Rom führen – das veranschaulichen drei faszinierende Datenvisualisierungen, die wir hier näher vorstellen.

So verbreiten sich übertragbare Viren in geschlossenen Räumen und auf Reisen
Abbildung: Reuters Graphics

UNDERSTANDING COVID-19 | New normal: How far is safe enough? (Englisch)

Produktionsfirma: Reuters Graphics | Produktionsjahr: 2020

Worum geht es bei der Visualisierung?

Gerade in Räumen, in denen sich Reisende begegnen oder Menschen zusammenkommen, etwa in Bahnhöfen, Flugzeugen, Restaurants oder Theatern, können sich gefährliche Viren, wie SARS-CoV-2, schnell verbreiten. Zahlreiche Studien aus mehreren Ländern ergänzen sich zu wertvollen Erkenntnissen über Aerosol-Konzentrationen, Viren-Übertragungen und erforderliche Abstände im Alltag. Nicht nur das „Social Distancing“ ist eine besondere Herausforderung, sondern auch, seine Notwendigkeit verständlich zu vermitteln.

Wie wird visualisiert?

Reuters Graphics reiht hier zahlreiche Aufsichtsgrafiken von Räumen aneinander, zum Beispiel Bahnhofsgebäude, Kabinen von Passagierflugzeugen, Restaurants oder Schulen. Sie sind grafisch in einer großen Illustration miteinander verbunden, durch die man als Nutzer*in ununterbrochen von oben nach unten „scrollt“, vergleichbar mit einer Schriftrolle.

Die Idee dahinter ist, alltägliche Aktivitäten und Bewegungsprofile von Menschen als Erzählfaden zu nutzen. Mitunter überblenden sich einzelne Grafiken, beispielsweise um das Dach eines gezeichneten Restaurants verschwinden und die Bestuhlung von oben sichtbar werden zu lassen.

In den einzelnen Abschnitten dieser scheinbaren „Fortbewegung“ sind erklärende Detailvergrößerungen platziert, mit Pfeilen, Metermaßen und Markierungen, um beispielsweise Abstände von Tischen oder Menschen zueinander oder um Aerosol-Konzentrationen in bestimmten Situationen zu zeigen, sowie Ausbreitungsszenarien von Corona-Viren, etwa in geschlossenen Räumen mit und ohne Lüftungen.

Abbildung: Reuters Graphics
Abbildung: Reuters Graphics

Mit diesem „rollenden Erzählen“ – auch als „Scrollytelling“ bekannt – vermitteln die Infografiken Wissen und Erkenntnisse zu Ansteckungsrisiken beim Reisen, in öffentlichen Gebäuden und an Verkehrsknotenpunkten besonders eindrücklich. Die scheinbare Bewegung über die längliche und teils animierte Grafik passt zudem gut zu den behandelten Mobilitätsaspekten.

Texte erläutern und ergänzen das Gezeigte mit Studienergebnissen zur Pandemie und zum Verhalten der Corona-Viren. Die Studien stammen unter anderem aus den USA, China, Südkorea, Großbritannien und Deutschland.

Insgesamt ist Reuters eine ebenso geschickte wie wirkungsvolle Umsetzung gelungen, mit der wissenschaftliche Erkenntnisse anschaulich vermittelt werden.

Abbildung: Reuters Graphics

Was vermitteln die Datenvisualisierungen anschaulich?

  • Im Innenraum eines Flugzeugs beeinflussen die Intensität der Kabinenbelüftung und der Abstand zwischen den Passagieren die Übertragungswahrscheinlichkeit übertragbarer Viren.
  • Daten aus einer Untersuchung über Tuberkulose ergaben, dass die Verdoppelung der Ventilationsrate in der Kabine während eines Fluges das Infektionsrisiko um die Hälfte reduziert. Für Passagiere, die 15 Sitzplätze von einer infizierten Person entfernt saßen, sank das Risiko fast auf null.
  • Aerosole können sich bis zu acht Meter weit verbreiten und damit bedeutend weiter als der empfohlene Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern
Abbildung: Reuters Graphics

Welche Daten nutzt die Visualisierung?

Die Visualisierung verwendet Daten folgender Quellen: WHO (World Health Organisation), US Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Europa CDC, Africa CDC, Nature, PNAS, The New England Journal of Medicine, American Journal of Infection Control, International Air Transport Association, Purduen University, Medrxiv, American Institute of Physics, Journal of Cross-Cultural Psychology, The Lancet, BioMed Central, U.S. Transportation Administration, Midwest Center for Investigation Reporting, Reuters.

Wie der Güterschiffsverkehr Routen und Knotenpunkte des Welthandels prägt

Shipmap.org | Visualization of Global Cargo Ships (Englisch)

Produktionsfirma: KILN, Studio für Datenvisualisierung | Produktionsjahr: 2016 (Datenbasis: 2012)

Worum geht es bei der Visualisierung?

Mehr als 3,7 Milliarden Tonnen Fracht schlagen die europäischen Häfen jährlich um. Für diese enormen Mengen sind täglich tausende Güterschiffe auf den Weltmeeren und in Verbindungskanälen unterwegs. Die Schiffsbewegungen sind ein gewichtiger Teil des weltweiten Handels und erlauben auch einen Blick auf die Handelsbeziehungen zwischen Ländern beziehungsweise Wirtschaftsräumen.

Wie wird visualisiert?

Das Londoner Datenvisualisierungsstudio KILN entwickelte mit der Shipmap eine interaktive Karte, die den weltweiten Güterschiffsverkehr am Beispieljahr 2012 veranschaulicht: Zu sehen sind Bewegungen der Welthandelsflotte im Lauf des kompletten Jahres 2012. Die Grafik ändert sich kontinuierlich um eine Stunde des Jahres 2012, so dass eine Art Echtzeitanimation der weltweiten Schiffsbewegungen entsteht. Eine Zeitleiste am unteren Rand ermöglicht den Nutzenden, jeden beliebigen Tag des Jahres auszuwählen.

Mithilfe eines Menüs kann man die Namen der Häfen, die Schiffe sowie Fahrtrouten und Landflächen ein- und ausblenden. Zudem lassen sich die Schiffsbewegungen nach fünf Frachttypen filtern beziehungsweise farblich unterscheiden: Container, Fahrzeuge, Flüssigkeit (wie Erdöl), trockenes Massengut (wie Kohle) und Gas.

Abbildung: KILN, Studio für Datenvisualisierung
Abbildung: KILN, Studio für Datenvisualisierung

Zähler, die am oberen Rand der Grafik eingeblendet sind, zeigen zudem wichtige Kennziffern des Güterschiffsverkehrs: Zum einen die Gesamtmenge des emittierten CO2, zum anderen das Frachtvolumen, das die erfassten Schiffe bis zum gewählten Zeitpunkt des Jahres transportierten, unterschieden nach den fünf Frachtarten.

Was vermitteln die Datenvisualisierungen anschaulich?

  • Zu jedem Zeitpunkt des Jahres 2012 waren zirka 10.000 Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs. Durch die grafische Darstellung eines jeden Schiffes als Punkt ergibt sich ein faszinierendes Wimmelbild, das die Dimensionen des Welthandels auf dem Wasser gut vor Augen führt.
  • Die animierte Grafik verdeutlicht einerseits gut, welche Regionen stark frequentiert sind, beispielsweise das ostchinesische Meer, und welche Kanäle stark befahren sind, etwa der Suezkanal. Andererseits zeigt sie auch, wo es vergleichsweise ruhige Gebiete gibt, beispielsweise an den somalischen Küsten, an denen es bekanntlich Probleme mit Piraterie gibt.
  • Die Visualisierung der einzelnen Frachtarten lässt sehr gut die Art der Handelsbeziehungen erkennen: Einige Länder importieren hauptsächlich Rohstoffe und exportieren Schiffs-Container mit verarbeiteten Produkten, zum Beispiel in China – und andersherum.

Tipp

In einem vorbereiteten Animationsfilm mit ausführlichen Audiokommentaren gehen die Produzent*innen näher auf die Entstehung des Datenvisualisierung und die Datengrundlagen ein.

Welche Daten nutzt die Visualisierung?

Die Visualisierung verwendet Daten des UCL Energy Institute (UCL EI). Dieses Institut gehört zum University College London und ist auf Studien, Erhebungen und Forschung zum Schiffsverkehr spezialisiert.

Wie heute Flugwege nach Rom führen
Abbildung: Move Lab

Flights to Rome (Englisch)

Produktionsfirma: Move Lab | Produktionsjahr: 2018

Worum geht es bei der Visualisierung?

Das Sprichwort „Alle Wege führen nach Rom“ geht auf den Goldenen Meilenstein zurück (Milliarium Aureum), der einst das Zentrum des Römischen Reiches markierte.

Wie wird visualisiert?

Mit seinem Projekt „Roads to Rome“ hatte das Berliner Designstudio Move Lab bereits für die Landwege nachverfolgt, wie heutzutage – am Beispiel der italienischen Hautstadt – Reiserouten verlaufen.

Das Folgeprojekt, die umfangreiche Datenvisualisierung „Flights to Rome“, zeigt nun quasi sämtliche Luftwege, die nach Rom führen. Ausgehend von 712.425 gleichmäßig über den Globus verteilten Orten, berechneten die Produzenten die zugehörigen Routen nach Rom, die als rote Linien eingezeichnet sind.

Als Ausgangspunkt dienten ihnen die Daten tatsächlicher Flüge, für intermodale Verbindungen bezogen sie die Straßennetzdaten der OpenStreetMap ein. Dasselbe Szenario spielten sie für Tokyo und New York durch.

Man kann in die Karten hinein- und herauszoomen und die Darstellung auf eine Stadt, ein Land oder einen Kontinent fokussieren, zudem ist eine 3D-Ansicht der Karten integriert. In allen Fällen visualisiert die Darstellung auch Daten zu Flughöhe und Flugweite.

Abbildung: Move Lab

Die Projekte des MoveLab verstehen sich als künstlerische Arbeit. Gleichwohl bieten die Visualisierungen faszinierende Einblicke und Erkenntnisse in gegenwärtige Reiserouten und weltweite Mobilitätsgeschehnisse.

Was vermitteln die Datenvisualisierungen anschaulich?

  • Diese Datenvisualisierung verdeutlicht sehr gut, welche Knotenpunkte es im weltweiten Flugverkehr gibt. Am Beispiel Rom zeigt sich, dass die Flüge von Osten tendenziell über Moskau hereinkommen, während die Verbindungen von Westen vielfältiger und nicht in einem Knoten gebündelt sind.
Abbildung: Move Lab

Tipp:

Die Produzenten liefern ausführliche Informationen und Quellen zur Erstellung der Visualisierung sowie zur technischen Verarbeitung der Daten.

Welche Daten nutzt die Visualisierung?

Die Visualisierung verwendet Daten von Flightradar24, das als global ausgerichteter Flugverfolgungsdienst die Echtzeitinformationen von tausenden Flugzeugen weltweit erfasst. Nach eigenen Angaben zeichnet der Dienst mehr als 180.000 Flüge von über 1.200 Fluggesellschaften auf, die über 4.000 Flughäfen anfliegen. Flightradar24 bietet zahlreiche Schnittstellen und Datenformate zu weltweiten Flugbewegungen und verwandten Daten an.

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